Duale Ausbildung in der Vivekananda-Schule

(erschienen in den Vereinsnachrichten „Indische Schule“ November 2012)

Im Gegensatz zu einer extrem hohen Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa können in Deutschland nicht alle Arbeitsplätze besetzt werden. Diese günstige Situation liegt nicht zuletzt am dualen Ausbildungssystem (praktische Ausbildung im Betrieb, theoretische in der Berufsschule) und an einer Ausbildung auf Fachhochschulen und Universitäten, bei der Berufspraktika eine immer größere Rolle spielen.

In Indien fehlt es nicht an Menschen, die eine Arbeit tun wollen und die eine Ausbildung dafür haben, jedoch sind gut ausgebildete Arbeitskräfte Mangelware. So kann man beispielsweise in den teuren Metropolen (z.B. Mumbai) selbst bei einer Miete von 1000 € nicht davon ausgehen, dass ohne weiteres ein Installateur gefunden wird, der das Bad funktionsfähig macht oder erhält. Tüchtige Bürokräfte oder Lehrerinnen und Lehrer zu finden ist auch bei einem Überangebot an Bewerbern ein Glücksspiel mit geringer Aussicht auf einen Treffer.

Wenn nun seit 1996 alle Schulabgänger der Vivekananda School eine Arbeit gefunden haben, so liegt das vor allem daran, dass die Schule immer versucht hat, die deutsche Idee des dualen Systems auch in Indien umzusetzen, mit allen Einschränkungen, die die finanzielle Situation der Schule und ihr gesellschaftliches Umfeld mit sich bringen. 1996 wurde die Spezialisierung der Schule für das Fach „Commerce“ anerkannt (Buchhaltung, Betriebswissenschaft, Wirtschaftswissenschaft). Es folgte die Einrichtung von Schreibmaschinenunterricht sowie von Computerlaboren. Fächer wie Computer-Praxis, Informatik, Webdesign. Büroorganisation, Finanzverwaltung, Unternehmertum und Bibliothekswesen wurden schrittweise eingeführt. Auch in diesem Sinne stellt sich die Vivekananda Schule in der Region als Novum dar. Während andere Privatschulen solche unkonventionellen Fächer meiden, wagt es die Vivekananda-Schule, neue Wege zu gehen. Damit ergaben sich für die Schüler und Schülerinnen große Möglichkeiten, direkt nach dem Schulabschluss in das Wirtschaftsleben einzutauchen. Dies ist einer der Gründe, warum alle Schulabgänger Arbeit gefunden haben.

Das Institut für Angewandte Erziehung der Schwesterorganisation Vivekananda Vidyapith („Stiftung“) leistet eine große Beihilfe zur Durchführung der Berufsausbildung des Vereins.

Das Institut unterhält seit mehr als zehn Jahren ein Seminar für die Ausbildung der Kindergärtnerinnen und die Fortbildung der Grundschullehrer. Die Praktikanten und Mitarbeiter aller Kindergärten und Grundschulen nehmen an den wöchentlichen Sitzungen teil und reflektieren ihre Arbeit. In diesem Jahr hat das Institut ein neues Seminar für die Büro- und Handelsberufe begonnen. Zurzeit nehmen 5 ehemalige Schüler an dem Seminar teil und arbeiten als Praktikanten bei verschiedenen Einrichtungen. Parallel zu ihrem Praktikum und ihrer Seminarteilnahme setzen sie ihr Universitäts-Studium fort. Dieses duale System der praktischen Arbeit kombiniert mit einem Studium gestaltet sich als ein beispielloses und nachahmenswertes Muster in der Region.

Unter den neuen Praktikantinnen der Büroberufe sind auch zwei Schülerinnen, die 2010 als Austauschschüler Deutschland besucht haben: Jaya Joshi und Nitisha Uniyal. Die beiden studieren Commerce an dem örtlichen DAV College, nehmen teil an dem Seminar und arbeiten auch als Praktikanten in dem Büro der Vivekananda Schule. Mit dem Stipendium, das sie erhalten, finanzieren sie ihr Studium und bestreiten andere persönliche Ausgaben. Sie sind nicht mehr von ihren Eltern abhängig. Beide sind sehr zufrieden mit ihrer Ausbildung und dankbar, dass die Schule ihnen solch eine seltene Gelegenheit bietet                      US